Thailand Reisebericht: Wieder Sieben Wochen im Paradies
Staffel 2: Der royale Süden (Episode 1 von 4)
Bangkok – Die andere Seite des Flusses
Hinter den Kulissen: Die Logik der Stille
Als Location-Scout suche ich nicht nach „schön“, sondern nach „echt“. Bangkachao ist ein logistisches Paradox: Eine grüne Lunge mitten im Beton-Moloch. Der Trick ist nicht, dorthin zu finden, sondern das Tempo der Stadt an der Pier abzustreifen. Wer hierher kommt und weiter rennt, hat den Ort nicht verstanden. Strategie bedeutet hier: Ankommen durch Weglassen.
— Michael Otto, Reisedesigner, Plan & Go

Zur Erinnerung: Letzten Winter verbrachten wir sieben Wochen in Thailand – Bangkok, dann Koh Chang, dann wieder Bangkok. Fünfzig Tage. Fünf Hotels. Ein Tierarzt, der Yumis Freund wurde. Eine Pa, die mich „Gin Jay Man“ nannte. Und ein Versprechen, als wir im Berliner Park standen, grau, kalt, matschig: Wir kommen wieder. Jetzt sind wir wieder da.
Ankunft – Diesmal ohne Drama

Der Flug ist derselbe. Über Wien. Zehn Stunden ab Wien. Yumi in der Transporttasche unter dem Sitz. Sie kennt das mittlerweile. Kein Winseln, kein Drängeln. Erst bei der Landung wird sie unruhig – aber das ist Routine.

Doch, es gibt eine Besonderheit. Diesmal fliegen wir mit dem Airbus 380, dem Doppeldecker unter den Flugzeugen, und sitzen im Oberdeck. Zwar immer noch in der Economy, aber hier oben ein viel kleineres Abteil, mit Beinfreiheit, nur 2 Sitze nebeneinander. Das hat schon was.
Suvarnabhumi Airport, früher Morgen. Die Luft ist sofort wieder da – dick, warm, vertraut. Wie ein alter Bekannter, der einen umarmt, ob man will oder nicht.
Die Veterinärbehörde geht diesmal schnell. Das Dokument existiert bereits, die Beamtin kennt den Vorgang. Zehn Minuten, Stempel, fertig. Yumi ist offiziell wieder in Thailand.
Draußen wartet der Chauffeur. Diesmal kein „Oh! Dog!“ – er hat Yumi auf dem Buchungsfoto gesehen und eine kleine Schale Wasser vorbereitet. Sie steht auf dem Rücksitz, neben einem Handtuch.

Wir steigen ein. Yumi trinkt. Ich lehne mich zurück.
Es fühlt sich anders an als letztes Jahr. Nicht weniger aufregend – aber ruhiger. Wir wissen, was uns erwartet. Die Hitze. Das Chaos. Die Freundlichkeit. Wir kommen nicht als Entdecker. Wir kommen als Wiederkehrende.
Und diesmal fahren wir nicht ins Zentrum.
Wir fahren auf die andere Seite des Flusses.
Baan Suan Klai Klung Bangkrachao – Der sanfte Einstieg
Das Baan Suan Klai Klung Bangkrachao liegt dort, wo Bangkok aufhört, Bangkok zu sein.

Man muss sich das so vorstellen: Auf der einen Seite des Chao Phraya – Hochhäuser, Stau, Abgase, zehn Millionen Menschen. Auf der anderen Seite – und es ist wirklich nur ein Fluss dazwischen – Bananenstauden, Vogelgezwitscher, und eine Stille, die man in Bangkok nicht für möglich hält.

Sie nennen es die „Grüne Lunge Bangkoks“. Und der Name ist nicht übertrieben.
Unser Hotel ist eine kleine Gartenanlage. Wir haben einen geräumigen Bungalow am Ende des Geländes – abgeschieden, ruhig, mit einer Veranda, auf der man morgens sitzt und den Vögeln zuhört. Und den Hähnen. Die Hähne krähen hier ab vier Uhr. Aber nach ein paar Tagen hört man sie nicht mehr. Oder man hört sie und denkt: Ja. So klingt ein Morgen, der nicht aus dem Wecker kommt.

Das Beste: Hunde sind beim Frühstück erlaubt. Draußen, auf einer Terrasse. Yumi sitzt neben mir, schnüffelt an der Morgenluft, und beobachtet die Eidechsen, die über die Mauer huschen. Das Frühstück ist einfach – Eier, Toast, Obst, Kaffee – aber der Ort macht es besonders.
Im Hotel kann man sich kostenlos Fahrräder ausleihen und die ländliche Gegend erkunden. Wir tun das an einem Nachmittag, ohne Yumi (zu heiß für sie), und radeln durch schmale Wege zwischen Plantagen und kleinen Holzhäusern. Es riecht nach Erde, nach Blüten, nach einem Bangkok, das es eigentlich nicht mehr geben dürfte.
💡 Tipp: Das Baan Suan Klai Klung Bangkrachao ist ein Geheimtipp für den sanften Einstieg ins Abenteuer Bangkok. Wer nach einem langen Flug erstmal durchatmen will, bevor er sich ins Chaos stürzt – hier ist der richtige Ort.
Das Boot über den Fluss – Fünf Minuten zwischen den Welten
Der Clou an Bangkrachao: Man ist „auf dem Land“ – und trotzdem in kürzester Zeit im Zentrum.


Vom Hotel sind es fünf Minuten zu Fuß zum Pae Jeab Pier. Dort wartet ein kleines Boot – keine Fähre im klassischen Sinn, eher ein Holzkahn mit Außenbordmotor – das einen in fünf Minuten auf die andere Seite bringt, zum Wat Khlong Toei Nok Pier.
Fünf Minuten. Und man ist in einer anderen Welt.

Am Pier drüben gibt es den gleichnamigen Tempel, einen kleinen Markt, und einen 7-Eleven – in Thailand das universelle Zeichen dafür, dass man nicht ganz am Ende der Welt ist.
Von dort fahren größere Expressboote weiter flussaufwärts Richtung Innenstadt – oder zum Sathorn Pier, wo man in die nahegelegene BTS umsteigen kann. Das gesamte Zentrum ist plötzlich erreichbar. Ohne Taxi. Ohne Stau. Ohne Stress.
Man steigt in ein Boot, fährt fünf Minuten, steigt um, und ist in der Stadt. Man fährt zurück, steigt aus, und ist auf dem Land.
Das hat etwas Magisches. Als würde man einen Schalter umlegen.
Das Restaurant am Pier – Wenn die Karte nur Thailändisch ist

Direkt am Fluss, neben dem Pier auf der anderen Seite, gibt es ein kleines Restaurant. Keine Touristen. Nur Thais, die hier in der Mittagspause essen oder abends nach der Arbeit.
Die Karte? Nur auf Thailändisch.
Ich starre auf die Schriftzeichen. Meine Frau auch. Yumi interessiert sich nicht für Karten, sie schnüffelt unter dem Tisch nach Interessanterem.
Dann fällt mir ein: Die Übersetzer-App. Smartphone raus, Kamera drauf, und plötzlich werden aus den Schriftzeichen Wörter. Gebratener Reis mit Basilikum. Nudelsuppe mit Schweinefleisch. Grünes Curry.
Ich zeige auf „Gebratener Reis mit Gemüse“ und sage mein obligatorisches: „Phom gin Jay.“


Die Kellnerin – eine ältere Frau, die vermutlich noch nie einen Europäer an diesem Tisch gesehen hat – lacht. Nicht über mich. Sondern weil sie sich freut, dass jemand es versucht.
Das Essen ist hervorragend. Und günstig. Und direkt am Fluss sitzen, während die Boote vorbeituckern und die Sonne hinter den Hochhäusern auf der anderen Seite versinkt – das ist unbezahlbar.
💡 Tipp: Unbedingt die Smartphone-Übersetzer-App dabeihaben! In vielen lokalen Restaurants – gerade abseits der Touristenpfade – gibt es keine englische Karte. Die Kamera-Übersetzung funktioniert erstaunlich gut und öffnet Türen zu Gerichten, die man sonst nie bestellt hätte.
Sri Nakhon Khuean Khan Park – Verboten, aber nicht ganz
Fußläufig vom Hotel liegt der Sri Nakhon Khuean Khan Park – ein großer, grüner Park mit alten Bäumen, Teichen und verschlungenen Wegen.

Offiziell: Für Hunde verboten.
Aber – und das ist Thailand – „verboten“ hat hier manchmal eine gewisse Flexibilität.

Wir gehen über den nördlichen Rand in den Park. Dort, wo kein Haupteingang ist, kein Kassenhäuschen, keine Schilder. Nur ein Weg, der zwischen Bäumen hindurch in die Anlage führt.
Auf dem Weg dorthin liegt das Deep in Bangkrachao Café – ein kleines, verstecktes Café mit überraschend gutem Espresso und Cappuccino. Wir setzen uns, trinken Kaffee, und Yumi liegt im Schatten und döst. Es ist der erste richtig gute Kaffee seit der Ankunft, und manchmal braucht man genau das – bevor man weiterzieht.
Dann der Park. Wir laufen durch die Wege, unter alten Bäumen, an Teichen vorbei, in denen sich Schildkröten sonnen. Yumi schnüffelt begeistert an allem. Vögel, die wir nicht kennen, singen in den Baumkronen. Es ist still. So still, dass man vergisst, in einer Zehn-Millionen-Stadt zu sein.

Bis wir zu nah an den Haupteingang kommen.
Ein Wächter sieht Yumi. Schaut uns an. Schaut Yumi an. Schüttelt den Kopf.
Wir drehen um. Kein Drama. Er lächelt sogar.
In Thailand wird man selten angeschrien. Man wird höflich darauf hingewiesen, dass man gerade etwas tut, was man nicht tun sollte. Und dann geht man. Und niemand verliert sein Gesicht.
Jai yen yen.
Khlong Toei Market – Wo Thailand echt ist
Wer den absolut exotischsten Ausflug wagen möchte, geht vom Pier auf der anderen Seite zu Fuß – und allein das ist schon ein Abenteuer – etwa dreißig Minuten zum Khlong Toei Market.

Ich sage es vorweg: Auf keinen Fall die besten Schuhe anziehen. Und geruchsempfindlich darf man auch nicht sein.
Der Markt ist 24 Stunden geöffnet und wird so gut wie ausschließlich von Thais besucht. Keine Touristen. Keine englischen Schilder. Keine hübsch arrangierten Obstkörbe wie auf dem Or Tor Kor Market.

Stattdessen: Alles.
Berge von frischem Fisch, noch zappelnd. Fleisch in Varianten, die man in Deutschland nicht einmal benennen kann. Gemüse, das ich noch nie gesehen habe. Gewürze, deren Geruch sich in die Kleidung frisst und dort bleibt. Frauen, die im Schneidersitz zwischen ihren Waren sitzen und plaudern. Männer, die mit Handkarren durch enge Gänge drängen.
Der Boden ist nass. Irgendwo zwischen Fischblut, Schmelzwasser und etwas, das ich lieber nicht identifizieren möchte.

Es ist laut, eng, überwältigend – und absolut faszinierend.
Denn das hier ist kein Markt für Touristen. Das hier ist der Markt, auf dem Bangkok einkauft. Jeden Tag. Seit Jahrzehnten. Man erlebt mit allen fünf Sinnen, was Thailand wirklich isst – und darf sich wundern, was man alles essen kann.

Yumi ist natürlich nicht dabei. Sie verbringt den Tag bei BKKdogster. Dieser Markt ist nichts für fünf Kilo Zwergpudel. Aber meine Frau und ich stehen an einem Stand mit frisch gepressten Säften, trinken etwas Unidentifizierbares (es schmeckt nach Mango und Ingwer und vielleicht Chili?), und schauen uns an.
„Das hier,“ sage ich, „das ist der Gegenentwurf zu allem, was wir kennen.“
Sie nickt. „Und es ist großartig.“
Ja. Das ist es.
Little Korea – Wo Thailand weniger echt ist

Wir kommen direkt vom Khlong Toei Market. In den Poren klebt noch der Geruch von Fischblut, Schmelzwasser und diesem unidentifizierbaren „Alles“, was Bangkok ausmacht [cite: 2-1-06]. Dann, nur einen Wimpernschlag entfernt: Little Korea.
Es ist, als hätte jemand die Sättigung und das Rauschen aus dem Bild gedreht. Wo eben noch organisches Chaos herrschte, stehen jetzt geometrische Linien und eine fast klinische Ruhe. Ein kurzes Eintauchen in eine Welt, die so gar nicht zum Markt-Dreck passen will, den wir noch an den Schuhen haben. Es ist dieser letzte, künstliche Kontrast, den wir brauchen, um zu begreifen: Wir sind jetzt bereit für den Süden. Die Stadt hat uns alles gezeigt.
Vier Tage, die nach Wochen schmecken
Vier Tage in Bangkrachao. Es klingt nach wenig. Aber diese vier Tage hatten eine andere Qualität als die sechs Bangkok-Tage im letzten Jahr.

Letztes Jahr kamen wir an und wollten alles sehen. Tempel, Märkte, Malls, Boote. Wir rannten durch die Stadt wie Getriebene.
Diesmal sitzen wir oft auf der Veranda unseres Bungalows und hören den Hähnen zu. Wir fahren mit dem Boot über den Fluss und trinken Kaffee in einem Café, das kein Tourist kennt. Wir essen in einem Restaurant, dessen Karte wir nicht lesen können. Wir laufen durch einen Park, in den wir eigentlich nicht dürfen.
Es ist nicht weniger. Es ist anders. Es ist tiefer.
Und Yumi? Yumi liegt auf der Veranda, den Kopf auf den Pfoten, und beobachtet die Eidechsen. Ab und zu hebt sie den Kopf, wenn ein Vogel zu laut singt. Dann legt sie ihn wieder ab.
Sie ist angekommen. So wie wir auch.
Aber die Reise geht weiter. Diesmal nicht nach Osten, zu den Bergen und Dschungeln von Koh Chang.
Diesmal nach Süden. Zum Meer. Zu den Palmen.
Nach Koh Samui.
„Wie geht es weiter? „Nächster Halt: Koh Samui. Das Schlachtfeld der Pauschaltouristen. Wir fahren dorthin, um zu beweisen, dass ich falsch liege – oder um das letzte echte Stück Samui zu finden, bevor der Beton alles schluckt.“ .…. Bleib dran.“
Wer mit seinem Hund ähnliche Erfahrungen machen möchte:
Alle Informationen zu individuell geplanten Reisen mit Hund finden Sie hier.
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→ Weiter in Teil 2: Koh Samui – …..
„Plan & Go Reisedesign“ FAQs
Was unterscheidet Plan & Go Reisedesign“ von einem klassischen Reisebüro?
Wir sind keine Buchungsmaschine. Michael Otto nutzt über 20 Jahre Erfahrung als Location-Scout und Motiv-Aufnahmeleiter, um Reiseziele nach Atmosphäre, Licht und Authentizität zu kuratieren. Wir designen individuelle Erlebnisse abseits der Katalogware – basierend auf echter Feldarbeit vor Ort.
Warum ist die Expertise eines Location-Scouts für meine Reiseplanung wertvoll?
Weil ein Scout nicht nach Postkartenmotiven sucht, sondern nach der Wahrheit eines Ortes. Nach 20 Jahren in der Filmproduktion – von Kino-Produktionen bis zu Event-Movies – weiß ich: Ein guter Ort muss funktionieren, nicht nur gut aussehen. Ich plane Reisen mit der gleichen Präzision, mit der ich ein Film-Set logistisch vorbereite., ohne den Zauber des Entdeckens zu verlieren.
Bietet „Plan & Go Reisedesign“ auch spezialisierte Reiseplanung für Reisende mit Hund an?
Ja. Durch die eigene Reiseerfahrung mit Hunden kennen wir die logistischen Hürden. Wir planen Routen und wählen Unterkünfte aus, die für Hunde und ihre Besitzer wirklich funktionieren – stressfrei und auf Augenhöhe.
Wie sicher ist die Reiseplanung mit „Plan & Go Reisedesign“?
Sicherheit und Integrität stehen an erster Stelle. Von der technischen Absicherung unserer Website bis hin zur persönlichen Betreuung und Auswahl der Partner vor Ort: Wir setzen auf Transparenz und Qualität, damit du dich voll auf das Erlebnis konzentrieren kannst.

